Wir haben da was gegen den Tunnel: uns Starnberger!
Gute Argumente gegen einen schlechten Tunnel.

1) Grobe Missachtung des Wählerwillens
Sowohl bei der Bürgermeisterwahl als auch bei der Stadtratswahl haben die Starnberger Bürger gegen den Tunnel votiert:
2014 wurde Eva John mit der großen Mehrheit von 67,3% der Stimmen zur Ersten Bürgermeisterin von Starnberg gewählt. Ihre zentrale Wahlaussage war und ist pro Umfahrung und gegen den Tunnel.
2015, bei der letzten Stadtratswahl, haben die Gruppierungen mit der Wahlaussage gegen den Tunnel 16 der 30 Stadtratssitze gewonnen.

Die Starnberger wollen mehrheitlich keinen Tunnel! Der am 20.02.2017 vom Stadtrat mit den Stimmen von fünf Umfallern beschlossene Antrag „ja zum Tunnel und Prüfung einer Umfahrungsplanung“ ist kein Kompromiss, sondern eine grobe Missachtung des Wählerwillens, da sich die Sachlage seit der Wahl nicht geändert hat.


2) Akute Gesundheitsgefährdung
Ein Abluftkamin bläst via Turbinen konzentriert hohe Emissionen aus Abgasen, Feinstauben und Reizgasen ungefiltert in die Luft – und das in unmittelbarer Nähe unserer Grundschule am Schlossberg sowie der Berufsschule.

„Besonders bei Inversionswetterlage werden sich die Abgase gleichmäßig über der Innenstadt verteilen.“
Zitat aus der Stellungnahme des Stadtrates zum Bundesverkehrswegeplan 2030

Damit wird es zu einer erheblichen gesundheitlichen Belastung der Starnberger kommen, von welcher besonders Kinder und Senioren Hauptleidtragende sind.

3) Verschandelung des Stadtbildes
„Mit der Baumaßnahme sind starke optische Veränderungen des Stadtbildes verbunden. Schwerpunkte sind hierbei der Bau technischer Großbauwerke, wie Tunnelportale, Betriebsgebäude und der Abluftkamin am Hof- bzw. Schlossgarten sowie Notausstiege und die Rodung von straßenbildprägenden Einzelbäumen und Heckenstrukturen. Die Rodung von Waldrändern ist eine Beeinträchtigung des Stadtrandbildes und der Naherholungsfunktion der Waldabschnitte.“
Zitat aus dem Planfeststellungsbeschluss der Regierung von Oberbayern, März 2007, S.40

Da nur ein Teil der Stadt untertunnelt wird, liegen beide Portale im Stadtgebiet und bedingen deshalb massive städtebauliche Unverträglichkeiten – das ist nicht wegzudiskutieren. Auch bis zu siebenspurige Trassen am Tunnelportal im Norden und bis zu sechs Spuren am Südportal können wohl kaum als städtebauliche Aufwertung angesehen werden. Der Abluftkamin ramponiert das Erscheinungsbild des Schlossgartens. Die sechs Notausstiege mit ihren befahrbaren Rettungswegen bedeuten massive Verluste von Baumbestand und Grünflächen und verschandeln das Stadtbild.

4) Keine Verkehrsentlastung durch den Tunnel – das Gegenteil ist der Fall!
Der Tunnel löst das Starnberger Verkehrsproblem nicht. Ganz im Gegenteil holt er zusätzlichen Verkehr in die Stadt. Zahlreiche Verkehrsgutachten – unter anderem von Prof. Dr.-Ing. Harald Kurzak – belegen, dass jeder Straßenausbau zu einer höheren Verkehrsbelastung führt. Der verkürzte Tunnel offenbart hier zwei besonders gravierende Schwachstellen:

a) Der Verkehrsfluss wird nicht verbessert, da der Tunnel die Durchfahrt von Starnberg nicht ampelfrei macht. Aus Süden kommend endet die Tunnelfahrt zentrumsnah auf Höhe des Gymnasiums, noch fernab der Autobahn. Die 3 noch zu überwindenden Ampeln bringen den Verkehrsfluss im Tunnel zum Erliegen und sorgen für eine Verlagerung des Staus in die Tunnelröhre.
b) Nicht eine einzige Staatsstraße wird an den Tunnel angebunden. Damit kann es auch keine Entlastung für die Hanfelder-, Söckinger-, Possenhofener- und Gautinger Straße geben. Dieser sternförmig auf Starnberg zufließende Verkehr wird sich auch weiterhin oberirdisch verteilen, wodurch der Tunnel die gewünschte und herbeigeredete Entlastungswirkung an der Oberfläche verfehlen wird.


5) Sicherheit? Sicher nicht!
Der Tunnel ist einröhrig für jeweils eine 3,75 Meter breite Fahrspur je Fahrtrichtung – also als Tunnel mit Gegenverkehr – geplant. Eine Rettungsröhre gibt es nicht! Der Fluchttürabstand von 300 Metern und die durchschnittliche Steigung von 4% ergeben eine Höhendifferenz von bis zu 12 Metern im Tunnel, bis die nächste Fluchttüre überhaupt erreicht werden kann. Das sogenannte Rettungskonzept des B2-Tunnels beruht auf Selbstrettung innerhalb von 3 Minuten. Ob das für Personen mit Behinderung, Familien mit kleinen Kindern oder Senioren im Ernstfall zu schaffen ist?

6) Mindestens acht Jahre Bauzeit
Die lange Bauzeit belastet Starnberg weit über ein erträgliches Maß hinaus. Der Verkehrskollaps ist vorprogrammiert! Es drohen massiver Ausweichverkehr durch Wohnviertel, Baulärm und Dreck, Geschäftesterben und Wegzug. Die Vielzahl an Baustellen im gesamten Stadtgebiet, die Bewegung von 400.000 Kubikmetern Erdreich durch tausende Baufahrzeuge gefährden unsere Kinder auf ihren Schulwegen und beeinträchtigen den Unterricht an den Grundschulen, der Berufsschule und an unserem Gymnasium (welches direkt am Nordportal des Tunnels liegt). Jahrelange Schwertransporte auf unseren Straßen zur Anlieferung der Beton- und sonstiger Bauteile für den Tunnel legen den Straßenverkehr in Starnberg lahm. Der Bau der in Kürze fertiggestellten Westumfahrung zeigt hingegen, wie geräuschlos und unproblematisch die Realisierung einer Umfahrungslösung vonstattengehen kann.

7) … und dann droht die Bauruine (siehe: Kramertunnel in GAP)
Der Tunnel liegt in äußerst heterogenen Baugrund- und Grundwasserverhältnissen. Durch zusätzliche aufwendige Baumaßnahmen im Untergrund muss versucht werden, die Unterbrechung der Grundwasserströme durch die Tunnelröhre zu überbrücken. Dies soll durch Horizontalfilterbrunnen, Sammelstollen, Dükerschächte und Überleitungen erfolgen. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass das Bauvorhaben scheitern wird – hierzu reicht ein Blick nach Garmisch-Partenkirchen: Der Baubeginn für den dortigen Kramertunnel war im Jahr 2010, seit 2013 tut sich wegen eines Baustopps aufgrund massiver Grundwasserproblematik nichts mehr. Verantwortlich für den Bau ist übrigens das Staatliche Bauamt Weilheim – wie auch für den geplanten Tunnel in Starnberg. Ob der Tunnel jemals fertiggestellt werden kann, ist völlig unklar.



Druckversion der Argumente gegen den Tunnel

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